Indien

Indien

Die Hitze in der Ebene ist nicht mehr auszuhalten.Wir nehmen den Bus von Banbassa bis Shimla. Die Stadt liegt auf 2000m Höhe in den Bergen. Ich fühle mich kränklich, müde und der letzte Burger, den ich in Nepal kalt und verkohlt wie er war hinunter würgte, bereitet mir nun Darmprobleme. Ich will schlafen.
Christoff, Ariane und Mewes sind mehrere Stunden unterwegs. Die meisten preiswerten Hotels sind ausgebucht, so die Aussage der Rezeption. Ich bewache die Räder. Dann ist eines gefunden. Nun muss unser Zeug den Berg hinauf geschoben werden. Was für eine Schufterei. Als wir endlich im Zimmer stehen, waren schon die Einbrecher da. Sie kamen durchs Fenster geklettert, rissen den Rucksack von Ariane auf und flüchteten mit zwei Tüten Chips. Verdammte Affenbande!

Von Shimla fahren wir über eine ruhige Nebenstrecke nach Manali. Sogar wildes Campen ist möglich. Ungesehen geschieht dies zwar nicht, auch um einen Besuch kommt man nicht herum, aber die befürchteten Belagerungen bleiben aus.

In Manali empfängt uns der normale Straßenverkehr. Das heißt ungestümes, keinem Gesetz unterworfenes Fahrverhalten – FREIHEIT !! Man muss sich das so vorstellen. Irgendjemand, der sich entsetzlich gelangweilt hat, hat einen Weg gefunden, mehr Aktion in seinen Alltag zu bringen und hat einem Kindergarten die Autoschlüssel der Väter überlassen. Und nun probieren sich die lieben Kleinen im Erwachsenenspiel.
Der Lärmpegel erreicht utopische Werte. Die Abgase kratzen im Hals. Jeder steht jedem im Weg. Nichts geht vorwärts. Wir stecken mitten drin und müssen aufpassen, dass wir nicht doch ganz langsam überrollt werden. Es ist völlig normal den anderen an zu rempeln und das oftmals, weil man die eigenen Größenverhältnissen des fahrbaren Untersatzes nicht kennt.
Vor wenigen Tagen sahen wir, wie man ein Motorrad unter den Vorderrädern eines LKW hervorzog. Fahrer und Sozius standen kurz vor einer emotionalen Explosion. Immerhin waren sie zu dieser noch fähig, weil man sie nur ganz langsam von hinten überfahren hat.
Energisch trommele ich gegen das Heck eines Transporters. Sein Besitzer schiebt aus einer Ausfahrt. Ich stehe genau dahinter, eingekeilt zwischen dicken Mutti’s, Tucktuck’s und anderen Stinkern.
Irgendwann haben wir das Chaos hinter uns gelassen und der nette Willkommensanstieg nach Vashish, dem Nachbarort von Manali, drückt mit seinen Prozenten in die Knie. Immer wieder müssen wir an den Fahrbahnrand. Grinsend steckt man die Köpfe aus entgegenkommenden Autos. Eine Fettbacke schreit: ,,Vorwärts, auf geht’s!“ Verwundert schauen wir uns an: ,, Das man immer von denen angetrieben wird, die ihren Arsch am wenigsten bewegen?“
,,Komm her, dann bewegen wir uns mal!“ schreit Mewes zurück. Erschrocken wird das Fenster geschlossen.
In Vashish müssen wir uns unbedingt etwas Gutes antun. Wir mieten uns in ein Zimmer ein mit einer grandiosen Aussicht über Alt – Manali, die Berge und den Fluss.

Der Manali – Leh – Highway

Die Straße nach Leh ist geschlossen!
Was für eine niederschmetternde Nachricht. Alle Reparaturen sind erledigt, Wäsche gewaschen, die Küchentasche ist auf gefüllt,wir sind vollgefressen und ausgeruht, kurz – startklar. Und nun sagt man, das wir 10 bis 15 Tage warten müssen, weil die Pässe wieder ein geschneit sind und Zeltlager und Versorgungsstützpunkte noch nicht aufgebaut. Also – warten!
Unser Hotelier will mit dem Preis nicht runter. Wir tauschen das Zimmer mit der schönen Aussicht gegen ein ebenso gemütliches, günstigeres, mit Blick auf eine Baustelle. Mit Lärm müssen wir nicht rechnen, da Werkzeuge nur dann welchen erzeugen, wenn sie auch benutzt werden. Diese werden lange Zeit unentschlossen hin und her gelegt. Dann wird mit dem Hammer angetrockneter Mörtel von einem Wellblech geklopft und nach dem Kollegen geschaut, der sich immer noch an der Wand festhält. Nun bekommt dieser das Blech gereicht. Sorgfältig rührt er den Verputz an, der andere schaut zu.
Nach einer Woche ist der Bau zwar noch nicht fertig, aber die Straße nach Leh ist offen. Wir verabschieden uns von Ariane und Christoff. Die beiden werden noch ein paar Tage ihre Bäuche kurieren und dann Spiti, mit weniger hohen Passagen, erkunden.

2000 Höhenmeter liegen vor uns, der ,,Rohtangpass“. Das ist nicht das Problem.
Der Rohtangpass ist auf vielen Kilometern blockiert, besonders im oberen drittel. Hunderte Inder pilgern in schneereiche Höhen, um die wunderbare Verwandlung von Wasser zu Eis zu erleben. An und für sich ein netter Spaß, wenn da nicht wieder dieser indische Fahrstil wäre, dieser Drang zum Kuscheln.
Am ersten Tag kommen wir bis Marih. Hier bauen wir das Zelt neben denen von Pferdehirten auf. Im Flussbett und auf den Schneeresten am anderen Ufer stehen Plastikstühle und Tische. Es ist für die Einheimischen ein irres Vergnügen, die eisige Kälte unterm Hintern zu spüren. Sie nutzen jede Gelegenheit, dem dreckigen, nassen Matsch nah zu sein. Weich, weiß und flockig ist dieses hier schon lang nicht mehr. Das hier sind die alternden Reste.
Mit Einsetzen der Dunkelheit überrascht uns ein Gewitter mit heftigem Regen und Sturm.
Am Morgen ist vom Unwetter nichts mehr zu spüren, doch das andere Unwetter, der Tourismus ist schon wach. Der Lärm der ersten Taxis treibt uns aus den warmen Tüten. Eine Gruppe dick eingepackter Inder durchwalzt soeben unser Lager. Irritiert blicke ich mich um. Alle Wege, selbst die Trampelpfade der Pferde, führen um den kleinen Zeltplatz herum. Da wäre so viel Freiraum, aber so ist Indien, so sind die Inder. Niemand darf alleine bleiben, auch wenn er nicht alleine ist.
Schnell ist gefrühstückt und zusammengepackt. Wir schlängeln an den stehenden, hupenden Fahrzeugen vorbei. Nach den ersten hundert Metern erreichen wir ein größeres Plato. Es ist bebaut mit Restaurants. Alles wirkt kurzlebig, gezimmert fürs schnelle Geschäft. Mit großer Geste versucht man uns einzufangen. Wir ignorieren das Werben.
Die Straße wird schlechter. Vom letzten Regen oder vom Schmelzwasser aufgeweicht verwandelt sie sich in eine Schlammpiste. Lärmend drängelt man von hinten. Stück für Stück wird um ein Vorwärts gerangelt. Ich höre Mewes hinter mir schreien. Kurz drauf ein blechernes Trommeln. Da fuhr ihm mal wieder einer an die Taschen und nun klopft er ihm auf die Haube. Im Auto – emotionslose zur Kenntnisnahme des Protests.
Fast ist es geschafft. Wir passieren meterhohe, aufgeschnittene Schneewände. Wo diese enden, stehen dicht geparkt Autos auf beiden Seiten der Straße. Durch die schmale Gasse zwängt nun der Verkehr, doch meistens steht er sich hupend gegenüber. In verwaschene, alte Skianzüge gekleidet liegen, rutschen, stapfen die Leute im Gefrohrenen. Manche haben einen Schlitten gemietet mit dem sie sich den Hang nicht nur hinunter, sondern mangels Schlepplift wieder hinauf schieben lassen. Für die einen – ein echtes Vergnügen…
Immer mehr Plastikplanen flattern im Wind unter denen sich kleine Garküchen befinden.
Bei einer der Küchen legen wir einen Stopp ein, wir verschlingen jeder eine Portion Maggi – Nudeln, Toast und zwei Spiegeleier. Dann füllen wir die Wasservorräte auf und verlassen die winterliche Spielwiese. Nach dem mit tibetischen Fahnen geschmückten Pass ist die Party vorbei. Schschschsch…. Stille! Unglaubliche, sensationelle…Stille! Hätte ich die Ohren eines Pferdes und somit die Gabe diese witternd in jede Richtung zu drehen, sie würden höchst verwirrt rotieren, weil da nichts ist…kein Geräusch, das sich einfangen ließe.
Man hat uns prophezeit, das es nach dem Pass ganz anders werden würde. Nun, nicht alles. Das Schmelzwasser sucht auch hier beim Abfließen den Weg des geringsten Wiederstandes. Und da Kanäle, Tunnel und Unterführungen nicht ausreichend vorhanden sind oder verfallen, stürzt es Steine, Sand und Geröll mit sich reißend über die Straße und macht sich diese zum Flussbett. Nach wenigen Kilometern ist das bisschen, was eben noch Bremsbelag war weg geschmirgelt. Schnell, mit geübtem Handgriff, sind ein paar Neue eingeschoben.
Wir haben das Ende der Serpentinen erreicht. Nach Überquerung des Flusses geht’s an diesem entlang Richtung Tandi. Am Ortsende von Gramphu knattert ein Motorrad neben mir. Der Fahrer hält exakt meine Geschwindigkeit. Ich ignoriere ihn. Er ruft mir Unverständliches zu und versucht mich zu stoppen. Langsam wird er lästig. Im Augenwinkel sehe ich seine Uniform und das erzeugt sofort eine Abwehrhaltung. Ich fahre weiter. Erst Mewes sein: ,, Halt doch mal an!“ kann mich bremsen. In Gramphu war ein Posten, bei dem wir uns hätten registrieren müssen. Da wir diesen großzügig ausgelassen haben, sah dieser sich genötigt die Verfolgung auf zu nehmen. Nun sollen wir den Berg wieder hinauf, in sein Büro.
,, Nö, ist nicht dein ernst oder?“ will Mewes wissen.
,,Ich muss aber eure Daten aufschreiben und habe kein Papier und Stift dabei.“ erwidert der Polizist.
,,Ich habe Papier und Stift. Wir können h i e r alle Daten notieren, die du brauchst.“
Der junge Mann lässt sich überzeugen und so können wir nach kurzer Zeit weiter.

Der tief röhrend, blecherne Klang der tibetischen Trompeten weckt uns an diesem strahlend blauen Morgen. Unter unserem Hotelfenster stehen Mönche. Schon nicht mehr so verwundert wie am Abend zuvor nehme ich ihre Anwesenheit zur Kenntnis. Von hier schallt der Ruf weit übers Tal. Und wer behauptet, dass Mönche immer im Kloster tröten müssen?
Keylong bedeutet ein letztes mal die Annehmlichkeiten eines zivilisierten Lebens genießen. Ab hier soll es bis zum Eintreffen in Leh keine Dusche, nur Zeltnächte und einfachste Kost geben. Das Positive daran ist: einfache Lebensverhältnisse machen diese überschaubar! Wichtiger als aller Komfort jedoch ist und bleibt die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln. Meistens ist im Abstand einer Tagesetappe auch ein Militärposten, Zeltlager, sogar Hotel- Camp oder ein stinkendes Straßenarbeitercamp zu finden.

Kurz vor Patseo, neben einem kleinen Gletschersee bauen wir das Zelt auf. Die Aussicht auf umliegende Berge ist grandios. Die Gipfel haben immer noch Schnee, den sie vielleicht das ganze Jahr über nicht verlieren. Er setzt in diesem wunderschönen Gemälde die entscheidenden Lichtpunkte, die Kontraste zum variierenden Farbton der Felsen.
Unter unserem Lager liegt eine abgegraste Alm. Auf ihr steht eine winzige Hütte von der wir bis zum Einbruch der Dunkelheit glauben, dass sie verlassen ist. Aber Indien wäre nicht Indien, wenn es da nicht jemanden gäbe, der im nichts wohnt.
Der nächste Morgen zeigt uns was Patseo eigentlich ist – ein Militärstützpunkt mit Krankenstation, ,,Supermarkt“, Post und funktionierender Küche, in der wir ein königliches Frühstück bekommen, welches Energie für den langen Anstieg zum Bara Lacha La Pass auf 4930 Meter gibt. Dieser Anstieg ist so lang, nämlich 30 Kilometer, das uns die verfolgende Wolkenschicht einholt und mit Schneeflocken beschmeißt. Auf den letzten Kilometern stehen wir schnatternd zwischen Schneemauern. Fast glauben wir schon, die Markierung des höchsten Punktes ausgraben zu müssen, weil wir bereits bergab rollen, da taucht der bunte Müllhaufen, nein, ich meine das hübsch mit Wimpelketten geschmückte Wahrzeichen, doch noch auf. Das Foto kann in den Kasten.
Bei der Abfahrt gibt es kalte Füße. Das Schmelzwasser steht bis an die Knöchel und kann, blockiert durch Eiswände, nur über die Straße selbst ablaufen. Wir ziehen die Socken aus und waten in Sandalen hindurch. Dabei geht mir Christoffs Vorschlag durch den Kopf, den wir aus Ballastgründen verwarfen, Gummistiefel mit zu nehmen. Nun beißen wir die Zähne zusammen. Bis Sarchu sind Färbung und Temperatur wieder aus dem roten Bereich.

Sarchu liegt auf einer riesigen Ebene, die von einem Fluss durchschnitten und von Bergen flankiert wird. Leise schleichen längst vergessene Filmmusiken alter Western in meinen Kopf. Aus dem Dunst tauchen grasende Büffel auf. …die Wirklichkeit sieht anders aus. Es ist so kalt, das Wasser bildet Eiskristalle, das es noch eine Weile dauern wird, bis Gras wachsen kann und wer weiß ob es hier jemals Büffel oder Yaks gegeben hat. Die Witterung dürfte auf dieser Höhe das gesamte Jahr über alles andere als lebensfreundlich sein. Aber der Platz hat schon was, es riecht nach Abenteuer. Das haben sich auch einige Hoteliers gedacht und Zeltlager der ,,Luxusklasse“ errichtet. Manche Zelte sind noch nicht komplett eingerichtet. Die WC – Körper stehen vor der Tür. Ich suche nach einem Abwasser- oder Klärsystem, kann aber keines finden. Wie machen die das mit dem Klo? Wo geht die ganze Scheiße hin? Ich sehe keine Löcher, keine Rohre, keine Gräben, nur Wiese. Vielleicht sollten wir auf dem Rückweg eine Nacht in solch einem Luxusstoffhaus schlafen? Dann weiß ich mehr.

Wir verlassen Sarchu. Die Landschaft sieht eindeutig aus. Ist sie aber nicht. Es geht nicht flach geradeaus. Wir fahren mit einem Fluss, überqueren diesen, gelangen an einen weiteren. Dieser ist so breit, dass es viele Kilometer dauert, bis sein Bett soweit verengt ist, dass man eine Brücke darüber bauen konnte. Auf der anderen Flussseite bewegen wir uns wieder zurück bis ein weiteres Tal die Fahrt in die ursprüngliche Himmelsrichtung ermöglicht. Was für Dimensionen! Man zappelt praktisch mehrere Stunden auf der Stelle und doch geht es vorwärts.
Wir sind am Fuß des nächsten Passes angelangt. Heute spielt das Wetter verrückt. Gerade stürmt es und ein Mix aus Schnee und Regen lässt nicht grad ein Wohlgefühl aufkommen. Zwei Motorradfahrer kommen uns entgegen. Sie sehen verfrohren aus und schnatternd erzählen sie: ,, Oben schneit‘ s!“
Wir überlegen: ‚ Es ist Mittag. Zum Abend könnten wir oben sein. Auf 4900 Höhenmetern wollen wir jedoch nicht schlafen. Es soll zwischen den beiden Pässen, die dicht aufeinander folgen, ein Zeltlager geben. Die exakte Entfernung kennen wir nicht.‘
In dieser Höhe können wenige Kilometer zur Unendlichkeit werden, weil sich die eigenen Kräfte so schlecht einschätzen lassen. Ein paar Meter schlechte Straße in einem schärferen Aufwärtswinkel und man kriecht neben dem Fahrrad unter dem Vorwand ganz schöne Steine gefunden zu haben, bestimmt ganz wertvolle und es fällt so schwer, sich von diesen zu trennen.
Wir bleiben und bauen das Zelt an einem Bach auf.

Die letzte und höchste Herausforderung ist der Tanglang La Pass mit 5360 Höhenmetern. Er bildet die Grenze zwischen Pang More Plain und Indus – Tal. Wir schlafen vor dem Pass. Er sieht zum greifen nah aus.
Der Morgen erinnert uns daran, dass im Gebirge Entfernungen nie das sind was sie scheinen. Zwanzig Kilometer bleiben zwanzig Kilometer. Und solang man keine Schwingen hat, muss man diese jeden Meter erkurbeln, auch die, die sich in Schleifen verstecken.
Für mich ist es einer der schwierigsten Pässe auf dieser Strecke von Manali nach Leh. Er ist zwar 300m höher, aber er ist nicht steiler, die Straße nur etwas schlechter. Was ihn so schwer fahrbar macht, ist die Tatsache, dass man das Oben ständig vor Augen hat, aber das Gefühl diesem nicht entscheidend näher zu kommen. Also versucht man stets, wenn auch unbewusst, schneller zu fahren und das ist ermüdend und für das Allgemeinwohl nicht besonders förderlich. Bis kurz vor Erreichen des Passes geht es mir gut. Dann bekomme ich leichte Kopfschmerzen. Beim Sprechen habe ich Schwierigkeiten mich zu konzentrieren und die richtigen Worte zu finden. Eine höchst merkwürdige Situation. Einerseits ist es witzig, einen Teil von sich selbst so schwer kontrollierbar vorzufinden. Andererseits ist es beängstigend. Es wird Zeit, einige Höhenmeter ab zu schmeißen.
Das Indus – Tal ist eine andere Welt. Eine Wüste mit Bergen. Nur an den bewässerten Stellen, rechts und links neben dem Fluss gibt es frisches Grün. Die Dörfer wirken tibetisch. Überall stehen Stupas und Gebetsmauern, drehen sich Gebetsmühlen, flattern bunte Gebetsfahnen im Wind. Auf Berghängen, wie Adlerhorste, sitzen in weiß, braun und schwarz bemalte Klöster. Manche sehr gut erhalten, andere renovierungsbedürftig, kurz vor dem Absturz.
Wir durchfahren eine Allee, die sich durch die gesamte Ortschaft zieht. Wie alle Alleen hat auch diese etwas tröstlich, beruhigendes. Sie führt am Thiksy Kloster vorbei. Zu diesem gehört ein Restaurants und ein Hotel. Die Anlage wirkt äußerst anziehend. Wir checken ein.
Ein Tag im Kloster

Früh, kurz vor sechs Uhr, stehen wir vor der Gebetshalle. Wir sind die ersten und schauen uns etwas betröpfelt an. Deutsche Unart. Kein Mensch, nicht einmal die Mönche und sei es zum Beten sind auf einen exakten Minuten – oder Sekundenschlag geeicht. Nur wir können unser Korsett nicht abstreifen. Nach und nach trudeln sie ein. Heute ist ein besonderer Tag. Heute gibt es eine ganz große Zeremonie, weil Vollmond ist. Mehr haben wir nicht verstanden, aber unsere Neugierde ist geweckt.
Vom Dach startet das ohrenbetäubende, wohlbekannte Tröten. Wir gehen in die Halle. Der Geruch der Butterkerzen schlägt uns entgegen. Das Kerzenlicht büßt etwas von seinem Zauber, weil es durch elektrisches ergänzt wird. Auch sollen Mikrophone und Lautsprecher den ,,Vorbeter“ unterstützen. Man zeigt uns die Besucherplätze. Und dann beginnen die Murmelgesänge und Gebete. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist, als die Jüngsten Buttertee ausschenken. Man lässt uns nicht aus. Der Tee besteht aus eben Tee, Milch, Butter und Salz. Er schmeckt besser und ist bekömmlicher als ich immer geglaubt habe. Im Anschluss wird ein weiteres mal Tee ausgeschenkt und in diesen ein Mehlpuder geschüttet und zu einem Brei gerührt oder Ball geknetet. Die Gebete gehen weiter. Nach und nach kommen Lokels hinzu, verbeugen sich, gehen auf die Knie, stehen wieder auf, gehen wieder auf die Knie… ich habe nicht mitgezählt. Danach besuchen sie die Buddhas und anderen Heiligen und sind wieder verschwunden.
Irgendwann nach zwei Stunden wird es unruhig. Die höchsten Lehrer teilen weiße Tücher und Geldscheine aus. Hierbei werden wir ausgelassen. Als Kekse und Bonbons die Runde machen, sind wir wieder mit dabei.
Als eine weitere Stunde vergangen ist brauchen wir eine Auszeit. Wir statten dem Restaurant im Klosterhof einen Besuch ab. Nach dem Frühstück erkunden wir alle nicht verschlossenen Räume. Unter ihnen ist leider nicht die Bibliothek.
Vom Dach aus beobachten wir das Treiben im Hof. Einige Mönche richten eine Tafel her. Kunstvoll ordnet man verschiedene Teller und Schüsseln mit Getreide und Früchten an. Öl, Holz und Reisig werden auf einer Feuerstelle bereit gelegt. Wir gehen nach unten. Etwas abseits setzen wir uns nieder. Einer der Mönche, mit dem wir am Getränkeausschank, wer hier glaubt es gibt hier Bier, der irrt, eine nette Unterhaltung hatten, winkt uns zu sich herüber. Wir wären zwar näher am Geschehen, aber ich finde, dass schon genug Fotografen herum springen und bleibe auf meinem Platz, der ausreichende Sicht bietet.
Das Feuer ist entfacht. Unter Gebeten und regelmäßigem Tröten werden alle Gaben vom Tisch verbrannt. Zum Schluss gehen wir wieder in die große Halle und hier wird ganz feierlich das wunderschöne Sandmandala zerstört. Jeder darf eine Handvoll vom magischen, mit tausenden von Gebeten behafteten ,,Powersand“ mit sich nehmen. Der Rest wird nach unten, an den Fuß des Klosters zum Gewässer getragen und fröhlich versenkt.

Am nächsten Tag kommen wir nach Leh und erreichen somit den gesetzten Meilenstein. Und wüssten wir nicht genau, dass es ein fesselnder Ort ist,all die Kasernen, Militärs und deren Spielzeug hätten uns weiter ziehen lassen.

Danke an die Kilometerspender, Leser und Briefeschreiber.

Astrid und Mewes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.