Highlights neben der Straße

Highlights neben der Straße

Kalifornien – das klingt doch nach Sonne satt, aber wo ist die Licht und Wärme spendende Feuerkugel? Himmel, Erde Ozean, alles hat die gleiche graue Farbe.

Schwer ist der Blick auf die Straße zurück zu lenken. Ständig schweift die Nase gen Himmel, an schnurgeraden, endlos scheinenden Baumstämmen entlang. Die Wipfel sind nicht zu sehen, die hat der Nebel verschluckt. Wir durchfahren den schmalen Redwood- Streifen, der die Illusion erweckt,sich in einem gigantischen Urwald zu befinden. 563 Bäume dieser Prachtexemplare sind über 200 Jahre alt, davon 3 Prozent 1000jährig, 100 Meter hoch. Zwei Fahrräder hintereinander aufgestellt, können einen Stamm in seinem Durchmesser ausmessen.
Wie der Bart eines alten Mannes hängt das Moos in langen, ausgefransten Fäden herab. Die Rinde fühlt sich feucht, schwammig, erdig an. Der noch lebende Baum gibt schon die Nahrungsgrundlage für neue Pflanzen. Schafft es die Sonne den Nebel zu durchdringen und tastend ihre Strahlen durch dichtes Blätterdach zu schieben hinab bis auf den mit Farnen bewachsenen Boden, braucht es nicht mehr viel Fantasie, einen Märchenwald zu sehen, denn man befindet sich mitten drin. Die aufsteigenden Schwaden erzeugen Schattengestalten, welche Kobolden, Feen oder anderen Figuren gleichen.

Die Giganten bleiben zurück, wie seit tausend Jahren werden sie der dunstigen Nässe, den beständigen Küsten Winden und anderen Unannehmlichkeiten trotzen. Unser Weg führt uns weiter nach San Francisco. Magisch zieht sie uns an, die Golden- Gate- Bridge. Zielstrebig steuere ich auf sie zu, durch Menschenpulks, die den Kopf schütteln, gestikulieren und mir Unverständliches zurufen. Ich halte an, ein roter Hubschrauber fliegt vorbei, aus der offenen Tür hängt ein Typ mit einer Kamera im Anschlag. Doch das ist nicht der Grund meines Bremsens, Mewes schreit hinter mir hechelnd ebenso unverständliche Worte.
,,Halt doch mal an! Da war ein Schild….!
,,Ja? Und?“
,,Auf dem steht, dass an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen Radfahrer und Jogger die rechte Fußwegseite benutzen müssen!?“
,,Upppps……., ist heute Sonntag?“
Wir befinden uns auf der linken Seite!
Ich setze nun ein dümmliches Unschuldsgesicht auf. Mewes brummelt entschuldigend zu dem ein oder anderen:“ Womens, you know….?“ Frauen, du weißt schon….? Und so erreichen wir das andere Ufer.

Wir sind wieder auf das Radlergrüppchen: Ursula, Hanspeter, Sascha und Katja gestoßen. Die Holländer haben in San Francisco ihre Urlaubsreise beendet. Neu lernen wir Edith und Lukas kennen. Was uns schon lang nicht mehr wundert, sie sind auch Schweizer und sie reisen auch ,, Around The World“. Es gibt viel zu erzählen und weil ein Abend nicht ausreicht, beschließen wir, gemeinsam bis Los Angeles zu strampeln.
Den muffeligen Atem der großen Stadt bekommen wir viele Kilometer im voraus zu riechen. Eine Nacht soll uns unvergesslich bleiben. Ahnungslos bauen wir die Zelte auf die Hiker- Biker- Sites , das abseits stehende ,,Iglu“ wirkt uninteressant. Die Dämmerung setzt ein, wir sind satt und schläfrig, einer nach dem andern zieht sich in die Gemütlichkeit der eigenen vier Stoffwände zurück. Bald ist nur noch ein gleichmäßiges Atmen zu hören. Ich liege auf dem Rücken, die Stöpsel unseres neuen Weltempfängers in den Ohren und lausche vertrauten Klängen- der ,,Deutschen Welle“.
Plötzlich sind von draußen Schritte zu vernehmen, begleitet durch lautes Sprechen. Ich verstehe:“ Five Bugs!“ Ein Reißverschluss wird geöffnet und wieder geschlossen. Stimmengemurmel. …..Und dann…:“ I can fuck you right now!“
Ich denke: ,, Wird ja wohl schnell gehen.“, aber nein,…..die Kundschaft kommt und geht die ganze Nacht! Einmal sogar das wilde heulen eines Motors in Begleitung eines Geräusch`s das durch über Schotter rutschende Reifen verursacht wird.
Dann, fast vom Motorengebrüll verschluckt: ,,Help me! Help me! He kill me!“
,,Gehört das nun zum Spiel?“ egal, das ist eh ein Alptraum.
Am nächsten Morgen ist alles friedlich still. Keine Leichen, kein Blut, keine benutzten Kondome, nichts vom nächtlichen Treiben ist zu sehen. Wir sitzen in großer Runde am Frühstückstisch und werten die vergangene Nacht aus. Wir sind uns einig, der Ruhetag muss verschoben werden. Getrieben vom Gedanken: ,,Bloß weg hier!“, packen alle zusammen.

Kilometerstand: 7900

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